Neue Interview-Reihe

Kürzlich erschienen auf dem YouTube-Kanal Living India Business Development & Facilitation zwei Interviews mit mir. Mindestens ein weiteres wird noch folgen. Wenn ihr mögt, schaut doch mal rein:

Erstes Interview – Thema: Metta (Liebende Güte)

Zweites Interview – Thema: Wie entsteht Leid?

Neue Reihe auf YouTube

Künftig werde ich in mehr oder weniger regelmäßigen Abständen auf YouTube aus meinem Alltag als Laienmönch berichten. Wenn euch interessiert, wie ein Mönch ohne feste Klosterzugehörigkeit eigentlich so lebt – hier erfahrt ihr es. Die erste Folge ging vor wenigen Tagen online; ich würde mich sehr freuen, wenn ihr meine „Homestory“ weiterhin verfolgen mögt.

Über buddhistische Meditation

So viele spirituelle Richtungen es gibt, so viele Meditationstechniken gibt es auch. Meines Erachtens ist es wichtig, sich früher oder später für eine Meditationsform zu entscheiden. Diese Wichtigkeit begründet sich nicht zuletzt darin, dass jede Meditationsform unmittelbar auf unser Gehirn Einfluss nimmt und es – so zeigen CT-Aufnahmen, die von meditierenden Mönchen gemacht wurden – zu Veränderungen kommt. Entgegengesetzte Wirkweisen können hier – vergleichbar mit Medikamenten – unangenehme Folgen mit sich bringen. Und unser Gehirn ist in höchstem Maße sensibel.
Umso wichtiger ist es mithin auch, sich klar bewusst zu machen, welche Meditation man praktiziert und wie sie wirkt. Buddha Gautama lehrte im Wesentlichen eine Form der Meditation: Vipâssana – die „Einsichts“- oder „Erkenntnismeditation“. Diese findet in meinen Kursen häufig Anwendung.

Gemeinhin wird in der buddhistischen Tradition zwischen Vipâssana- und Metta-Meditation unterschieden. Metta-Meditation, die in meinen Kursen ebenfalls praktiziert wird, ist die so genannte Herz- oder Liebende-Güte-Meditation. Allerdings unterscheide ich anders als die Tradition nicht zwischen vipâssana und metta, sondern nach vipâssana-anapanasati (anapanasati = Atemachtsamkeit) und vipâssana-metta-bhavana. Warum? „Vipâssana“ bedeutet soviel wie „Einsicht“ oder „Erkenntnis“. Nun hat jede Meditation ein Meditationsobjekt. Klassischerweise sagt man, ist das bei der vipâssana-Meditation der Atem. Es muss aber nicht der Atem sein; Buddha hat über hundert Meditationsobjekte gelehrt. Entscheidend ist lediglich die Erlangung von Erkenntnis.

Und wie erlangt man Erkenntnis?

Wie im täglichen Leben: Durch Forschen und Beobachten.

Und wie forscht und beobachtet man?

Nun, meist wird gelehrt, man solle sich in der Meditation auf den Atem konzentrieren und möglichst jeden Gedanken unterdrücken, der aufsteigt und der uns von der Betrachtung unseres Atems abbringt. Allerdings besteht die Einsicht in der Einsichtsmeditation darin, zu betrachten und zu verstehen, wie unser Geist funktioniert; unsere Wahrnehmung, unser Denken, unsere Interpretation, unsere Wünsche und Begierden – all das läuft nach ganz bestimmten Mustern und Prozessen ab, und diese gilt es in der Meditation zu erforschen.

Meditation ist die Erforschung unserer kognitiven Wahrnehmung mit dem Ziel, uns selbst zu erkennen und zu verstehen.

Den Geist frei schweben lassen

Ich kann aber meine Gedanken nur erforschen, wenn sie da sind! Also wird in der vipâssana-Meditation nichts unterdrückt, sondern alles einfach betrachtet – mit „freudvollem Interesse“, wie Buddha sagt. Das bedeutet für die Praxis der Sitzmeditation:

Das Meditationsobjekt dient lediglich als Heimathafen, um sich nach einer Ablenkung (wenn wir also von einem Gedanken weit weg getragen worden sind), wieder zu sammeln. Wir bleiben aber nicht auf diesem stehen, sondern nehmen das Meditationsobjekt als bestehend zur Kenntnis, lassen dabei unseren Geist frei schweben und beobachten, wie er sich ganz von allein von hier nach dort, und von dort nach da bewegt. Wir lassen ihn frei schweben durch die Peripherie, in der uns – nach Möglichkeit – nichts entgeht. Der Begriff Meditationsobjekt ist insofern auch etwas irreführend, denn es ist nicht das eigentliche „Objekt der Betrachtung“. Es wird nicht „auf den Atem meditiert“, sondern auf die „zehntausend Erscheinungen“ (Laotse) und unsere Reaktion auf sie.

Wenn man auf diese Weise meditiert, dann verliert die Frage, welches Meditationsobjekt wir nehmen, an Bedeutung. Im vipâssana-anapanasati ist es durchaus der Atem, in der vipâssana-metta-bhavana ist es das Gefühl von Freude und Herzenswärme, eben Liebende-Güte, welches aus uns heraus strahlt. So erklärt sich, dass ich die ursprüngliche Unterscheidung im Einklang mit der Lehre des Buddha aufhebe.

Und worin besteht die Erkenntnis?

Hierüber zu schreiben würde jeden Rahmen sprengen – und wäre zugleich nie erschöpfend! Etwas vereinfacht aber kann man sagen: Buddha erkannte, dass unser Leid darin besteht, dass wir das, was uns geschieht, persönlich nehmen. Das bedeutet, wir stellen einen irgendwie gearteten Bezug zwischen einem Ereignis und uns her. In der Meditation aber sehen wir die Erscheinungen in uns und außerhalb von uns als eine reine Kette von Entstehungsprozessen, die gänzlich unpersönlich sind. Eine Wahrnehmung entsteht zB aus Farbe und Form, das auf das Auge trifft – nur Vorgang. Aus einer Wahrnehmung wird (im Falle einer schönen Blume) ein behagliches oder (im Fall einer Müllkippe) ein unbehagliches Gefühl – ganz unpersönlich, nur Vorgang. Aber plötzlich sagen wir: „Ich finde das ekelhaft“ … wo kommt dieses Ich plötzlich her? Diese so genannte „Kette des Bedingten Entstehens“ setzt sich natürlich fort, aber dies soll reichen, um einen Eindruck zu vermitteln, was in der Meditation erkannt werden mag.

Dies muss aber jeder selbst durch eigenes Erleben in der Meditation erfahren haben, sonst bleibt es blanke Theorie wie Philosophie oder einfaches Glauben wie Religion; beides führt nicht zu Erkenntnis und zu Befreiung von Leid. Und so sagte der Buddha

„EHI-PASSIKO – komm und sieh’ selbst“

Die Meditation der Liebenden-Güte ist eine der traditionellen Meditationspraktiken des Buddhismus; sie geht zurück auf eine Lehrrede des Buddha Gautama (‘Metta-Sutta’, Sutta-Nipata 1,8) und ist seit jeher wesentlicher Bestandteil vor allem der Geisteshaltung des Theravada-Buddhismus. Die Grundidee ist einfach: Wenn ich in Gedanken, Worten und Werken freigiebig bin mit Liebender-Güte, dann kann ich die Menschen um mich herum froh machen. Die Menschen froh zu machen bringt auch in mir ein Gefühl von Freude hervor. Dieses gibt mir die Kraft, anderen Menschen Liebende-Güte zu schenken.

Jede Meditation hat ein Meditationsobjekt. Im Fall der Metta-Meditation ist das Meditationsobjekt das Empfinden und Aussenden des Gefühls Liebender-Güte. Man bringt in sich ein Gefühl von Freude hervor, das in der Brust spürbar ist; in dieses legt man den Wunsch nach

  • Sicherheit und Freiheit von Bedrohung
  • Frieden und Freiheit von geistigem Leid
  • Gesundheit / Freiheit von körperlichem Leid
  • Achtsamkeit und ein glückliches Leben

Diese Wünsche äußert man zunächst für sich, dann für eine geschätzte Person, dann einen Personenkreis und schließlich für alle Wesen im gesamten Kosmos.

Lass dich nicht vom Unheilsamen überwinden,
sondern überwinde das Unheilsame mit Heilsamem.

Röm. 12,21

Anfragen

Sollten Sie Interesse an einem Meditationskurs oder einem Vortrag zu diesem Thema haben (auch online möglich), kontaktieren Sie mich gerne oder tragen Sie sich in meinen Newsletter ein, um auf dem Laufenden zu bleiben. Aktuelle Termine und Kurse finden Sie hier.

Über die Liebe

Liebe – und dann tu, was du willst!

Aurelius Augustinus

Was ist eigentlich „Metta“? Metta – übrigens gerne verglichen mit dem, was in der christlichen Tradition Agape genannt wird – ist objektlose und bedingungslose Liebe. Was bedeutet das genau? Objektlos bedeutet, diese Liebe entbehrt einer Person oder Sache, die geliebt wird; sie wird empfunden weder für jemanden noch für irgendetwas. Es ist einfach nur Liebe. Interessanter noch wird es bei dem Begriff „bedingungslos“: Kern der buddhistischen Lehre ist das Bedingte Entstehen; gemäß diesem Grundsatz ist alles, was zur Entstehung gelangt, abhängig davon, dass auch die Voraussetzungen vorliegen, die zum Entstehen führen – im Grunde genommen das Prinzip von Ursache und Wirkung. Alles Materielle bedarf eines Entstehungsfaktors und eines aufrechterhaltenden Faktors. Fällt eines von beiden weg, so vergeht auch das Entstandene.

Gefühle in uns kommen durch Wahrnehmungen zum Entstehen – entweder durch Sinneseindrücke oder durch z.B. Erinnerungen oder Gedanken. Wenn ich guten Wein liebe, dann habe ich irgendwann einmal ein schönes Gefühl durch den guten Geschmack jenes Weines erfahren. Einen Menschen liebe ich, weil ich ihn als wundervollen Menschen erfahren habe (wobei auch das mit vielen biochemischen Prozessen zu tun hat, aber es wäre viel zu kompliziert, das an dieser Stelle zu vertiefen). Metta hingegen ist eine Liebe, die ohne jede Ursache ist und somit unbedingt – sie ist tief in uns vorhanden und tritt zutage, wenn der Geist sehr ruhig wird, wenn der gedankliche Müllberg, der diese tiefe Liebe in uns verborgen hält, plötzlich abgetragen wird. Es entsteht plötzlich ein Gefühl unglaublicher Harmonie, vollendeten Friedens, unbeschreiblicher Freude. Freude, Harmonie, Frieden – das sind Synonyme für Liebe. Wenn also die Kette des Bedingten Entstehens durchtrennt ist, dann ist all das da, dann ist Liebe da, und zwar im wahrsten Sinne des Wortes „unbedingte“ Liebe.

Hierzu vielleicht einmal eine interessante Tatsache, deren Zusammenhang mit der Metta-Meditation zunächst nicht ganz offensichtlich ist. Es gibt eine große Anzahl von Berichten darüber, dass im Krieg Mütter just in der Sekunde, da ihre Söhne an der Front gefallen sind, zusammenbrachen und wussten: „Mein Sohn ist tot!“ Diese Berichte hielten allen Überprüfungen stand, aber es gibt keine wissenschaftlich nachweisbare Erklärung dafür. Die Erklärung liegt, so scheint mir, vielmehr in einem Bereich, den die Spiritualität „Feinstofflichkeit“ nennt, und dem sich die Physik im Rahmen der Schwingungstheorie widmet. Die Idee der Schwingungstheorie lautet sehr vereinfacht: Die kleinsten existierenden Teilchen sind gar keine Teilchen, sondern Schwingungen. Das, was wir als Teilchen (als Atome u.s.w.) erkennen, sind lediglich durch Anziehungskraft entstehende Verdichtungen von ähnlich gearteten Schwingungen. Stark verdichtet erscheinen sie uns als Materie, im Grunde ist es aber keine. Die Spiritualität gebraucht hierfür den Begriff „grobstoffliche Manifestation (= „Materie“) des Potentiellen, des Werdenden (= Schwingung)“.

Das Entscheidende an diesen Überlegungen ist für mich, dass es , wenn wir uns unserer Feinstofflichkeit bewusst werden, also unserer Schwingungen, für uns nachvollziehbar wird, wie eine gewisse Verbundenheit zu einem Menschen über viele hundert oder tausend Kilometer spürbar werden kann. Wir senden unaufhörlich Schwingungen aus und empfangen sie ebenso ständig; und je mehr wir „auf einer Wellenlänge“ sind, desto intensiver können wir diese empfinden, sei es oft auch nur unbewusst. Wichtig ist lediglich, dass diese Kanäle in uns offen sind, um dies auch empfinden zu können. Bei uns nahe stehenden Personen ist das regelmäßig ohnehin der Fall. Aber wir können uns auch auf eine Wellenlänge bringen – das ist das Prinzip der telepathischen Kommunikation, wie sie die Aborigines beherrschen.

Nichts sehr viel Anderes steht hinter der Metta-Meditation. Wir senden Schwingungen von Liebe und Güte aus, beziehen eine uns nahe stehende Person ein und lassen sie Teil haben an der Freude, dem Glück, der Liebe, die wir selber empfinden – und zwar nicht theoretisch, sondern tatsächlich! Die andere Person kann das spüren! Deswegen ist es nicht ganz unwichtig, zunächst eine nahe stehende Person zu wählen, denn hier fällt es wesentlich leichter. Später, wenn unsere Liebe zu allen fühlenden Wesen, ja sogar zur gesamten Schöpfung so groß ist, dass wir immer weniger unterscheiden zwischen nett und nicht nett, gut und böse und dem Übrigen und statt dessen nur noch das SEIN sehen, dann haben wir unsere Frequenzen und Kanäle auch für alle Wesen geöffnet. Das nennt man vorbehaltlose Liebe … und das trainieren wir langsam aber sicher durch die Metta-Meditation.

Und dem, der sich etwas schwer tut damit, das mit der Schwingungstheorie und dem Übrigen zu glauben, dem sei folgende Anekdote vom Nobelpreisträger für Physik, Nils Bohr, erzählt: Dieser bekam eines Tages Besuch von einem Journalisten, der über dem Kamin ein Hufeisen erblickte. Erstaunt fragte er den Physiker, ob dieser als Nobelpreisträger und Mann der Wissenschaft denn so abergläubisch sei und glaube, ein Hufeisen bringe Glück. „Unsinn“, sagte Nils Bohr, „an so einen Nonsens würde ich nie glauben. Aber wissen Sie, die Leute sagen, es wirkt auch, wenn man nicht daran glaubt.“

Ich wünsche Dir von Herzen fröhliche Achtsamkeit und Maha-Metta